Entkoffeinierter Kaffee – Wie und warum schmeckt Kaffee ohne Koffein?

Eine morgendliche Tasse Kaffee ist bei uns für die meisten Menschen ein geschätztes Ritual, das man nicht missen möchte. Es kann jedoch immer einmal vorkommen, dass der Arzt dazu rät, den Konsum von Koffein einzustellen.

Besonders bei Herzkrankheiten oder Schwangerschaften wird diese Empfehlung häufig erteilt. Dennoch braucht man in solchen Fällen nicht auf den morgendlichen Kaffee verzichten und Kaffeebohnen koffeinfrei kaufen.

Kaffee ohne Koffein

Kaffee ohne Koffein ist nicht nur Geschmackssache. So manch einem tut es auch gesundheitlich gut.

Was ist Koffein

Koffein ist ein Bestandteil des Kaffees und wird von der Pflanze entwickelt, um sich vor Insekten zu schützen. Es ist eine psychoaktive Substanz und wirkt stimulierend auf das Gehirn. Es ist in der Lage, Müdigkeit zu vermeiden und die Konzentration zu erhöhen.

Gleichzeitig steigert Koffein die Herzfrequenz und kann außerdem den Blutdruck erhöhen. Koffein wirkt sich zudem auf die Blutgefäße aus. Diese verengen sich beispielsweise im Gehirn und verengen sich im Darmtrakt.

Koffein kann zu Wechselwirkungen mit Medikamenten führen. Auf Grund der verschiedenen Wirkungen des Koffeins im Körper kann es sein, dass der Arzt dem Patienten den Genuss von Koffein verbietet.

In diesen Fällen kann man auf entkoffeinierten Kaffee zurückgreifen, wenn man nicht vollkommen auf das beliebte Heißgetränk verzichten möchte.

So wird Kaffee entkoffeiniert

Es gibt verschiedene Verfahren, die es ermöglichen, Kaffee zu entkoffeinieren. Dabei gelingt es jedoch nicht, den Koffeingehalt vollkommen zu entfernen. In der EU gibt es heute Richtlinien, denen zu Folge nur solcher Kaffee als entkoffeiniert bezeichnet werden darf, der einen Gehalt von 0,1 Prozent oder weniger aufweist. Bei Instant Kaffee beträgt die erlaubte Menge an Koffein sogar 0,3 Prozent.

Wer im außereuropäischen Ausland entkoffeinierten Kaffee kauft, sollte sorgfältig auf den tatsächlichen Koffeingehalt achten. In manchen Ländern sind nämlich bis zu drei Prozent Koffein im entkoffeinierten Kaffee erlaubt.

Bereits seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Verfahren entwickelt, um Kaffee zu entkoffeinieren. Die erste Produktionsweise für koffeinfreien Kaffee wurde von Ludwig Roselius entwickelt. Bei dieser Methode wurden die Bohnen vor dem Rösten in Salzwasser eingeweicht und dann mit Benzol behandelt, um das Koffein zu entziehen.

Heute kommt dieses Verfahren noch vereinzelt zum Einsatz, jedoch werden an Stelle von Benzol andere Chemikalien benutzt. Hier hat sich erwiesen, dass Benzol Krebs erregen kann.

Ein indirektes Verfahren zum Herauslösen des Koffeins ist der Schweizer Wasser Prozess. Bei dieser Methode werden die Bohnen zunächst in heißem Wasser eingeweicht, bis sich alle festen Bestandteile des Kaffees lösen.

Danach können die Bohnen entfernt werden, da nunmehr das Wasser alle Bestandteile des Kaffees enthält. Durch filtern mit einem Aktivkohle Filter lässt sich das Koffein aus dem Wasser entfernen.

In das nunmehr koffeinfreie Wasser werden neue Kaffeebohnen gegeben. Da das Wasser alle Bestandteile des Kaffees enthält, löst sich lediglich das Koffein aus den Bohnen und gelangt in das Wasser. Die Bohnen sind entkoffeiniert und können für die Zubereitung von koffeinfreiem Kaffee gebraucht werden.

Das Wasser wird wiederum gefiltert und erneut eingesetzt. Dieses Verfahren muss allerdings viele Male wiederholt werden und ist daher für die industrielle Anwendung unpraktisch. Das 1970 entwickelte Verfahren kommt heute kaum noch zum Einsatz.

Von der Industrie wird heute das direkte Verfahren bevorzugt, da es eine effizientere Produktionsweise darstellt. Bei diesem preisgünstigen Verfahren wirkt zunächst Wasserdampf auf die Bohnen ein. Nach etwa 30 Minuten werden die Bohnen über einen Zeitraum von 10 Stunden in ein Lösungsmittel gegeben.

Danach ist die Kaffeebohne koffeinfrei. Bei diesem Lösungsmittel handelt es sich entweder um Dichlormethan oder Ethylacetat. Danach findet ein gründlicher Trocknungsprozess statt, dessen Ziel es ist, das Lösungsmittel aus dem Kaffee zu entfernen.

Besonders, wenn Dichlormethan zum Einsatz kommt ist es wichtig, das Lösungsmittel möglichst komplett zu entfernen. Den gesetzlichen Auflagen zu Folge dürfen zwei Kilogramm Kaffe höchstens zwei Milligramm Dichlormethan enthalten, da dieses Mittel eine krebsfördernde Wirkung hat.

Auch Ethylacetat wird aus dem Kaffee entfernt. Dieses Lösungsmittel ist jedoch unschädlich und kommt auch in der Natur vor. Es entsteht beispielsweise in Fermentierungsprozessen, wie bei der Weingärung. Dieses Lösungsmittel wird daher in der Lebensindustrie häufig eingesetzt. Kaffee, der mit Ethylacetat entkoffeiniert wird, darf sich daher als “natürlich entkoffeiniert” bezeichnen.

Eine weitere direkte Methode, die häufig eingesetzt wird, ist das Kohlenstoffdioxid Verfahren. Ebenso wie beim Einsatz von Lösungsmitteln werden bei diesem Prozess die Kaffeebohnen zunächst mit Wasserdampf behandelt. Danach wird Kohlenstoffdioxid mit einem Druck bis zu 300 bar durch die Kaffebohnen gepresst.

Auf diese Weise wird das Koffein gelöst und die Bohnen sind entkoffeiniert. Ein Vorteil bei diesem Verfahren ist es, dass der Kohlenstoffdioxid Anteil späterhin verdampft werden kann, wobei reines Koffein zurückbleibt, das zu verschiedenen Zwecken eingesetzt werden kann.

Das Triglycerin Verfahren wird heute ebenfalls gerne eingesetzt, um Kaffee zu entkoffeinieren. Hierbei wird eine Lösung aus Wasser und Kaffe vorbereitet, in welche die Bohnen getaucht werden. Dadurch kann sich das in der Kaffeebohne befindliche Koffein an der Oberfläche der Bohne sammeln.

Anschließend kommen die Bohnen in ein Bad aus heißem Kaffeeöl, in dem Triglycerin enthalten ist. Das Triglycerin entfernt das Koffein aus den Bohnen. Schließlich werden Bohnen und Kaffeeöl getrennt und die nun koffeinfreien Bohnen getrocknet.

Kaffebohnen ohne Kaffein

Seit Jahren hat man sich in der Forschung darum bemüht, eine Kaffesorte zu entwickeln, deren Kaffeebohnen kein Kaffein beinhalten. In Brasilien und auch in Japan wird heute versucht, eine solche Sorte zu züchten.

Jedoch hat die Forschung bis jetzt noch keine zufriedenstellenden Ergebnisse vorweisen können, obwohl im Jahr 2004 im Äthiopien eine Kaffeepflanze entdeckt wurde, die kein Kaffein enthält. Dennoch muss man wohl auch weiterhin auf entkoffeinierten Kaffee zurückgreifen, wenn man Kaffein vermeiden und trotzdem Kaffee trinken möchte.

Der Geschmack von koffeinfreiem Kaffee

Wer entkoffeinierten Kaffee vorzieht, tut dies in der Regel, da er aus medizinischen Gründen auf Koffein verzichten muss, aber trotzdem das volle Aroma einer guten Tasse genießen möchte.

Daher ist es wichtig, auf die Wahl einer Kaffeemarke wertzulegen, die einen guten Geschmack aufweist. Zum größten Teil hängt der Geschmack des entkoffeinierten Kaffes von der Methode ab, die zum Entkoffeinieren eingesetzt wird.

Die Geschmaks- und Aromastoffe, die im Kaffee erhalten sind, bestehen unabhängig vom Koffein. So kann also auch ein koffeinfreier Kaffee ein volles Aroma haben. Preiswerter koffeinfreier Kaffee wird zumeist mit dem Lösungsmittel Dichlormethan behandelt.

Durch diese Methode können neben dem Koffein auch etliche Geschmacksstoffe verloren gehen. Daher handelt es sich bei diesem Kaffee meistens um ein Produkt mit einem deutlich geringeren Geschmack als koffeinhaltiger Kaffee und wird von den meisten Verbrauchern als wässrig bezeichnet.

Bei koffeinfreiem Kaffee, der verminderte Geschmacksstoffe aufweist, empfiehlt es sich, den Kaffee ein weniger stärker zu portionieren. Da er ja kein Koffein vorhanden ist, kann man ruhig ein wenig mehr Kaffeemehl einsetzen, ohne beispielsweise einen gesteigerten Blutdruck oder Herzbeschwerden befürchten zu müssen.

Das Kohlenstoffdioxid Verfahren hingegen ist schonender für die Aromastoffe. Der gute Geschmack und das Aroma bleiben weitgehend enthalten, so dass man den Kaffee auf gleiche Weise genießt, wie einen normalen Kaffee.

Fazit

Bei vielen Menschen liegen medizinische Konditionen vor, die es wünschenswert machen, auf Koffein zu verzichten. Daher ist koffeinfreier Kaffee für solche Personen eine ausgezeichnete Lösung, die nicht auf ihren Kaffee verzichten möchten.

Es gibt unterschiedliche Methoden, um den Kaffeebohnen das Koffein zu entziehen. Einige dieser Methoden sind schonender, als andere, was zur Folge hat, dass einige entkoffeinierte Kaffees besser schmecken.

Möchte man sich für einen entkoffeinierten Kaffee entscheiden, sollte man daher ruhig einmal verschiedene Marken ausprobieren, bis man den Kaffee gefunden hat, der einem persönlich zusagt. So kann man Kaffee auch ohne Koffein perfekt genießen.

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